
Im Rahmen unseres Projekts zur mehrsprachigen Leseförderung – initiiert von Frau Scholz und Frau Dr. Skakun sowie großzügig gefördert durch den Förderverein – werden wir zweisprachige Kinderbücher in Kombination mit Kamishibai-Erzähltheaterbildern als didaktische Werkzeuge einsetzen.

Als zentrales Lesemedium wird hierbei unter anderem ein zweisprachiger Klassiker der Weltliteratur in den Sprachen Deutsch und Englisch zum Einsatz kommen: „Der selbstsüchtige Riese“ von Oscar Wilde. Dieses Projekt basiert auf der modernen Mehrsprachigkeitsdidaktik des Translanguaging (Translanguaging-Ansatz nach Gantefort & Maahs, 2020), die das Nutzen des gesamten sprachlichen Repertoires der Schülerinnen und Schüler als einen völlig natürlichen und den Lernprozess unterstützenden Weg begreift.
In der pädagogischen Praxis zeigt sich, dass der parallele, zweisprachige Druck der Buchseiten den Schülerinnen und Schülern den Zugang zur Geschichte erheblich erleichtert. Da Deutsch und die Familiensprache, z. B. Ukrainisch, Albanisch, Italienisch, Urdu, auf jeder Seite direkt nebeneinanderstehen, lesen und nutzen die Schüler beide Sprachen gleichzeitig. Sie müssen den deutschen Text nicht mühsam erraten oder erarbeiten, sondern können ihn unmittelbar mit ihrer Erstsprache vergleichen, was die inhaltliche Akzeptanz und das Textverständnis massiv beschleunigt.
In kooperativen Arbeitsphasen setzen die Lernenden diesen kombinierten Sprachschatz eigenständig, hochgradig aufgabenbezogen und zielgerichtet als kognitives Werkzeug ein, um tiefe Textstrukturen der Geschichte gemeinsam zu erschließen. Wenn sich die Lernenden über die inhaltlichen Fragen z.B. zu Oscar Wildes Klassiker austauschen, überwinden sie Wortschatzbarrieren und durchdringen die literarischen Details auf einem hohen kognitiven Niveau. Die großen Kamishibai-Theaterbilder fungieren im Anschluss daran als unverzichtbare Visualisierungsformate und Verbalisierungshilfen. Sie erleichtern den Schülern den sprachlich anspruchsvollen Transfer (die sogenannte Kontextverschiebung) bei der abschließenden Präsentation der Geschichte im Klassenplenum auf Deutsch.
Durch dieses von der Lehrkraft aktiv angestoßene „teacher-directed translanguaging“ wird das verstehende Lesen nachweislich effektiver gefördert. Gleichzeitig stärkt die Wertschätzung ihrer Familiensprachen das akademische Selbstkonzept der Schülerinnen und Schüler nachhaltig, da sie sich in diesem Projekt als kompetente, werdende Bilinguale (emergent bilinguals) erleben können.
Nataliia Skakun
