In der Klasse 10 B haben sich die Schülerinnen und Schüler in den letzten Wochen mit Gedichten beschäftigt, die jeweils einen politischen Bezug zu ihrer Entstehungszeit hatten. Wir behandelten unter anderem Gedichte über die Weberaufstände im 19. Jahrhundert, das in der Nachkriegszeit entstandene Gedicht „schtzngrmm“ von Ernst Jandl und Gedichte über Rassismuserfahrungen von May Ayim. Nun sollten die Zehntklässler selbst überlegen, über welche zeitgenössischen Themen Gedichte geschrieben werden können. Zu einem selbstgewählten Inhalt sollten sie ein Sonett verfassen, wobei eine Vielzahl guter Texte entstand.

Zwei dieser Sonette können im Nachfolgenden gelesen werden.

Fabian Masuhr

Ich denke dass ich nicht denke (von Yonyon)
 
Ich denke dass ich nicht denke
jedes Wort das aus meinen Mund fällt,
ist von der Maschine gestellt
bis all mein Eigenwille versenke.
 
Ich denke, ich will nicht denken,
denn vergesse ich die Kunst und den Schein,
soll meiner Ignoranz kein Wert sein,
bis wir den Blick von der Umwelt lenken.
 
Sei Dank, sollen wir uns nicht sorgen,
dann sollen uns halt die Maschinen ersetzen,
ich schreibe ja nicht für den morgen.
 
Ich will nicht dass mir der Mensch verhenke,
daher ist das Gedicht keine Angabe,
Ich denke aber dass ich nicht denke.
 
 
Wo bin ich daheim? (von Kristin)
 
Lautes Donnern im Nebel der Wolke,
bange Gesichter, ganz kahl schon vor Sorge.
Warum werd‘ ich bestraft,  – nur weil ich nicht morde?
Nun werd‘ ich verfolgt, da ich nicht wollte.
 
Geflohen und alles zurückgelassen,
in tiefer Nacht, ganz unter dem Bombenschein.
Gegangen weit fort, wo ist mein trautes Heim?
Gefüllt mit der Furcht, dass sie mich erfassen.
 
Nach weitem Weg, an sicherem Ort,
hier bin ich nicht willkommen.
Der Traum des Friedens, anderswo, ist gar so schnell zerronnen.
 
Angst hier, Leid da, die Lage beginnt sich zu verschlimmern.
Da verfolgt und dort verachtet,
aber keinen scheint es zu kümmern.